Losgröße 1: Komplexes in kleiner Auflage

Die Welt der unbegrenzten Möglichkeiten – Verbraucher kennen das schon: Mit einem Konfigurator dürfen sie ihre Turnschuhe individuell gestalten, nur ein kleiner Aufpreis wird fällig. Auch Müslifreunde haben die freie Wahl und mixen ihr Produkt nach Gusto – in 566 Billiarden Varianten.

Der Trend erreicht nun auch die Industrie: Ein B2B-Kunde klickt sich sein Wunschprodukt zusammen, und der Lieferant serviert es. „Es geht darum, den Kunden noch individueller und effizienter bedienen zu können“, sagt Frank Piller, Professor für Technologie und Innovationsmanagement an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) in Aachen. Das Fernziel hört auf das Schlagwort „Losgröße 1“: die automatisierte Fertigung von Einzelstücken.

Der Automatisierungsspezialist Phoenix Contact geht in diese Richtung: Seine Kunden können im Onlinekonfigurator zwischen 98 verschiedenen Trennverstärkern wählen – und dann je nach Anforderung noch die Ein- und Ausgangssignale definieren. Insgesamt ergeben sich so mehr als 1 000 Kombinationen für das sechs Millimeter schmale Bauteil, das in Schaltkästen zum Einsatz kommt.

Eine neue Qualität für Einkäufer von technischen Komponenten: Bisher blieb ihnen meist die Wahl zwischen zwei Extremen – entweder kostengünstige Massenware oder teure Einzelanfertigung. Ermutigt durch Pilotversuche, befassen sich immer mehr Industriefirmen mit dem Konzept Losgröße 1. Read more

Antonio Krüger: „Die Industrie hat Nachholbedarf“

Geht es um komplexe Analyseverfahren, stößt man immer wieder auf Beispiele aus dem Handel – von Amazon bis Otto. Professor Antonio Krüger leitet das Innovative Retail Laboratory am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI). Die Methoden seien für Handel und Industrie gleichermaßen geeignet, Krüger sieht aber entscheidende Hemmnisse.

Herr Krüger, überall wird über das Potenzial von Datenanalysen gesprochen. Wieso ist der Handel da anscheinend in vielen Punkten weiter?

Antonio Krüger: Onlinehändler sind mit fortgeschrittenen Analyseverfahren groß geworden und treiben das Thema voran. In einem Geschäft mit knappen Margen hat das auf traditionelle Handelsunternehmen ausgestrahlt. Das produzierende Gewerbe hat sicher etwas Nachholbedarf.

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Künstliche Intelligenz: Neue Antworten durch Algorithmen

Alle Daten im System – und immer nur die wichtigen im Blick: Die Beratung Deloitte bastelt gerade an solchen Projekten für die Autoindustrie. Im „Quality Dashboard“ soll das Management stets genau sehen können, welche Prozesse im weitverzweigten Produktionsnetzwerk funktionieren – und an welchen Standorten, bei welchen Baugruppen oder Modellen es gerade hakt oder auch bald haken könnte.

In einer Vorführversion ergeben die Unmengen von Daten am Ende klare grafische Signale für das Management. Unter der Oberfläche sind aufwendige Analyseverfahren nötig. „Es wird bald gelingen, die Daten aus der Produktion mit Qualitätskennziffern zu versehen“, sagt Frank Siemes, Partner Strategy & Operations bei Deloitte. „Für die Hersteller wäre das ein großer Gewinn.“ Ein erstes Projekt mit einem Autokonzern läuft derzeit – die Lösung soll im Laufe des Jahres einsatzbereit sein.

Gesprochen wird oft über die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten, die sich durch die immer bessere Auswertung von Daten in vernetzten Unternehmen ergeben.  Beim Einsatz aber zögern viele Firmen: Nach einer Erhebung des Beratungs- und Marktforschungsunternehmens BARC nutzen im Moment nur fünf Prozent der Firmen fortgeschrittene Analysetechniken. 94 Prozent der befragten Unternehmen sind hingegen überzeugt, dass dies in Zukunft erfolgskritisch sein wird. „Der Mensch trifft nicht immer die besten Entscheidungen“, sagt Michael Feindt, Gründer des Softwarespezialisten Blue Yonder. „Datengetriebene Algorithmen kommen in vielen Fällen zu deutlich besseren Ergebnissen.“ Read more

Plattform-Ökonomie: Die Macht der Wolke

Vom Bauernhof bis zum Maschinenbau, von der Hauselektronik bis zum Auto: In kaum einer Branche wird dieser Tage nicht über die digitale Vernetzung diskutiert. Unternehmen versprechen sich neue Geschäftsmodelle – ermöglicht durch die Analyse von Daten. Wo heute eine Heizung verkauft wird, könnte es in Zukunft die Garantie auf ein warmes Haus sein. Wann Wartungen nötig sind und wie die Anlagen geregelt werden, bestimmen Algorithmen.

Von einer ganzen „Smart Service Welt“ spricht schon ein gleichnamiger Arbeitskreis, dem 140 Unternehmen, Verbände und Forschungseinrichtungen angehören. Kennzeichnend für solche intelligente Dienstleistungen, so heißt es in einem Projektbericht der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (Acatech), seien nutzerzentrierte Dienste, die an vernetzte Gegenstände und Maschinen anknüpfen.

Für die technische Infrastruktur prädestiniert ist die Cloud: Rechenleistung und Speicherplatz können flexibel genutzt werden – das ermöglicht den Anbietern ein Herantasten an die neuen Dienstleistungen. Read more

IT-Sicherheit: Schutz über alle Schnittstellen

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Je mehr Möglichkeiten, desto mehr Risiken: Jedes neu angeschlossene Gerät, jede neu vernetzte Maschine in einer Produktion kann mehr Daten für den Unternehmenserfolg bringen. Gleichzeitig öffnet sich mit jeder neuen IP-Adresse im Firmennetzwerk ein neuer potenzieller Zugang für Angriffe von außen. „Die Vielfalt der Gefahren entspricht der Vielzahl von Geräten“, hielten die Experten von Symnatech, einem Anbieter von Sicherheits-Software, in einem Report fest. Den Schutz von Schnitt-stellen im Außen- und Innenverhältnis bezeichnen die Verbände Bitkom, VDMA und ZVEI unisono als eine der zentralen Herausforderungen für weitere Fortschritte im Projekt Industrie 4.0. Read more

German Industry 2015/2016: Challenge of getting connected

German Industry 2015/2016: Challenge of getting connected

Looking at the current numbers and statistics, many companies are still on a good run. Nevertheless, conflicts and difficulties arising in the global context have an increasing impact on the performance of the export-oriented industry – both corporations and the small and medium enterprises, well known as the backbone of the German economy. In addition to that, Germany itself will face some important changes in the near future, as the Volkswagen scandal brought the spotlight on some underlying problems in German industry.

Looking at the internal organisation of German Industry, one topic in 2015 stands out: After a few years of a cautious approach and some early-bird pilots, “Industrie 4.0” has made it to the main stage. This label is the German idea of dealing with an increasingly digitally connected production line, known both in and outside the factory as the “Internet of Things”. After three industrial revolutions, the next step might include features like a production line where every machine is connected to each other and highly individualised products from still highly efficient industrial production. Read more

Chief Digital Officer: Nichts für schwache Nerven

Von der Fertigung über die Logistik bis hin zum Vertrieb: Sekündlich entstehen bei Schaeffler Millionen neuer Datenhäppchen. Für die Verknüpfung und Auswertung all dieser Informationen suchte der Automobilzulieferer einen Vordenker – im Oktober wechselte der vorherige IBM-Manager Gerhard Baum zum Konzern aus Herzogenaurach. Als Chief Digital Officer (CDO) ist er nun zuständig für die gesamte digitale Agenda.

Immer öfter tauchen solche oder ähnliche Funktionen nicht nur bei IT-Unternehmen, sondern auch in Firmen anderer Branchen auf. Es ist ein leitender Posten mit hohen Anforderungen: „Sie brauchen ein technisches und ein kommerzielles Verständnis, ein unternehmerisches Gespür und die Talente eines Change-Managers“, sagt Wiebke Köhler von der Personalberatung Heidrick & Struggles. Read more

Digitale Lieferkette: Maximale Optimierung zu minimalen Kosten

Dieser Text ist im November 2015 im neuen Fachnewsletter vierpunktnull: Geschäftspraxis erschienen – hier können Sie eine kostenlose Probeausgabe bestellen.

1500 Lieferanten, 26 Werke – ein „atmendes Netzwerk über den gesamten Globus“. So beschreibt Markus Schäfer, Bereichsvorstand Produktion und Einkauf Mercedes-Benz Cars, die Herausforderungen an die Supply Chain des Autobauers. Die Digitalisierung der Industrie kann hier eine entscheidende Rolle spielen, um eine neue Ordnung, einen neuen Überblick zu bekommen. Wer genau weiß, wo und in welchem Menschen, Maschinen und Komponenten in seinem Netzwerk unterwegs sind, der gewinnt an Geschwindigkeit und Effizienz. Insbesondere der Einkauf und die Produktion profitieren von der neuen Übersicht.

„Die Intelligenz der Digitalisierung“

Eine intelligente Vernetzung der bereits existierenden IT-Systeme, oft als ergänzende Supply-Chain-Management-Systeme (SCM) zu bestehenden ERP-Systemen, spielt dabei eine zentrale Rolle, um den Fortschritt zu erreichen. „Da sind heute Menschen nicht mehr alleine in der Lage, diese Logistikströme hocheffizient zu gestalten und zu optimieren, um sicherzustellen, dass die Waren zur richtigen Sekunde am richtigen Ort ankommen“, sagt Schäfer. „Da braucht es Industrie 4.0, die Intelligenz der Digitalisierung.“ Read more

Arbeit 4.0: Neue Ziele für die Personaler // vierpunktnull: Geschäftspraxis

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Das Werben um den Facharbeiter vonmorgen und übermorgen könnte noch intensiver werden: Um etwa 350.000 neue Arbeitsplätze könnte der Bedarf der Industrie bis zum Jahr 2025 steigen. Das haben Strategen der BostonConsulting Group (BCG) in einer Studie veranschlagt, in der sie die Auswirkungen der Digitalisierung auf 23 Sektoren des produzierenden Gewerbes untersucht haben.

Auch wenn im ersten Schritt durch vernetzte Anlagen, 3D-Druck und neue Industrie-Dienstleistungen die Produktivität steigt, so sehen die Berater keineswegs menschenleere Fabriken vor sich – sondern eine anspruchsvolle Dekade für die Personaler in der Industrie: „Auf sie kommen riesige Herausforderungen zu“, sagt Rainer Strack, verantwortlicher Partner für Personalmanagement und -entwicklung bei BCG in Deutschland.„Die strategische Personalplanung wird wichtiger als die Finanzplanung, weil es die knappste Ressource für ein Unternehmen steuern wird.“

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Energiemanagement: Lastspitzen verringert, Energiekosten gesenkt // vierpunktnull: Geschäftspraxis

Dieser Beitrag ist im November 2015 im neuen Fachnewsletter vierpunktnull: Geschäftspraxis erschienen.

Digitalisierte Daten, vernetzte Geräte: Die Verbindung von Sensorik und Software ermöglicht ein deutlich detaillierteres Energiecontrolling. Das kann die Grundlage bilden, um Gebäude- und Produktionstechnik effizient zu optimieren – Studien sehen etwa im Maschinenbau bis zu 25 Prozent Energiesparpotenzial. Oft fehlt aber noch die Übersicht, wo konkret Energie verloren geht. „Unser Ziel war es, eine möglichst hohe Transparenz in unsere Energieströme hereinzubekommen und das nicht nur für eine einzelne Maschine, sondern für den gesamten Fertigungsbereich“, sagt Jan Stefan Michels, Leiter der Technologieentwicklung des Mittelständlers.

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