Plattformen für die Industrie: Maschine sucht Anschluss

Es ist ein typisches Problem von IT-Dienstleistern: So stolz sie auf ihre Produkte auch sind – auf einer Messe lassen sich Software und Services meist nur schwer präsentieren. Werden Daten und Konzepte allein am Bildschirm gezeigt, lockt das bestenfalls Fachleute an. Das Kölner Unternehmen Plusserver setzte auf der vergangenen Cebit auf Technik, die optisch mehr hermacht – und baute auf seinem Stand einen voll funktionsfähigen Roboterarm auf.

Das Gerät stammte vom Kunden Kuka. Die Besonderheit: Jenseits von Messe-Ausflügen ist der Roboterarm in eine sogenannte hybride IT-Architektur eingebunden. Einige Informationen zur Steuerung stammen aus firmeneigenen Rechenzentren, andere Daten tauscht der Roboter mit externen Servern aus.  Plusserver bietet Softwarearchitekturen an, die beide Welten nahtlos miteinander verzahnen sollen.

Die Marktperspektiven sind gut. Denn die Industrie investiert derzeit viel Zeit und Geld, um ihre Anlagen und Prozesse im „Internet der Dinge“ zu vernetzen. Read more

IT-Security: Detektive in der digitalen Welt

Wonderwoman wird schon attackiert, und auch Romeo muss sich vorsehen. Die beiden Codenamen stehen für zwei globale Unternehmen. Gelbe und rote Zahlen, die auf einem wuchtigen Monitor blinken, zeigen Cyberangriffe, die in diesem Moment auf sie einprasseln. Überwacht wird das Gefecht von einem internationalen Team aus Sicherheitsfachleuten, die der IT-Ausrüster Cisco in einem Kontrollzentrum im polnischen Krakau zusammengezogen hat. Seit April kontrollieren sie von hier aus den Datenverkehr von Kunden auf Schadsoftware oder Phishing-Versuche.

Hinter den hochgesicherten Türen arbeiten begehrte Spezialisten: Im ohnehin von Engpässen geprägten Markt für IT-Fachkräfte sind Security-Experten besonders rar. Read more

Blockchain: Kalkulierte Kettenreaktion

Es ist ein einfacher Weg zu einer neuen Einnahmequelle: Wer eine eigene Ladestation für E-Autos vor dem Haus stehen hat, kann nun auch Fremde Strom zapfen lassen – zu einem selbst festgelegten Tarif. Dafür will nun die RWE-Tochter Innogy mit ihrer Vermittlungsplattform „Share & Charge“ sorgen.  Aktuell basiere das Konzept noch auf dem Vertrauen zwischen Ladestationsbetreiber und Nutzer. Künftig solle aber die Technologie Blockchain dafür sorgen, dass Stromzapfen und Bezahlen zwischen Unbekannten simpel und sicher abläuft.

Teilen wird simpler Die Blockchain, auf die der Versorger setzt, steht auch hinter der Digitalwährung Bitcoin. Das Prinzip ist revolutionär: Read more

Unternehmens-IT: Wer steuert die Fabrik der Zukunft?

Ein neuer Bearbeitungsschritt, ein neues Signal: In der Demonstrationsfabrik auf dem Campus der RWTH Aachen melden die Materialwagen jedes Mal per Funk, wenn ein Werkstück den nächsten Produktionsabschnitt erreicht hat. Im Hintergrund surren die Server – in Echtzeit werden Transport- und Wartezeiten gespeichert, andere Algorithmen werten parallel die Sensordaten einzelner Werkzeuge und Maschinen aus.

Den Forschern des im Januar an der Hochschule gegründeten Center Enterprise Resource Planning (Cerp) geht es nicht allein um die Fertigung. Durch die Einbindung von Software, die Unternehmen zur Planung und Steuerung des Betriebs einsetzen, soll auch die Automatisierung abseits der Produktionshallen vorangetrieben werden: So könnte die Software selbstständig Nachschub aus dem Materiallager ordern, Kunden über den Fertigungsstatus informieren und den Logistikern mitteilen, welches Sendungsvolumen auf sie zukommt.

„Heute gibt es schon einzelne Systeme, die sehr gut ihre Arbeit erledigen“, sagt Jan Meißner, Leiter des Cerp. Nun gehe es darum, die Grenzen einzelner Programme in der Unternehmens-IT zu überwinden: „Wenn man anfängt, die Systeme zu vernetzen, kann man einen erheblichen Mehrwert schaffen.“

Genau daran hapert es in der Praxis oft noch. Read more

3D-Druck: Fertigung in Eigenregie

Hier ein Mantelhaken im Intercity, dort ein Klemmenkasten unter dem Motorblock einer Lokomotive: Stück für Stück fahren in den Zügen der Deutschen Bahn Teile mit, die als Einzelanfertigung im sogenannten 3D-Druck entstanden sind. Seit vergangenem November beschäftigt sich der Konzern mit dem Verfahren – und hat es schon bei 200 verschiedenen Werkstücken genutzt. „Unser Ziel ist es aktuell vor allem, Ersatzteile zu drucken, an die wir sonst kaum rankommen“, sagt Stefanie Brickwede, die das Netzwerk 3D-Druck innerhalb des Konzerns koordiniert.

Das Engagement der Bahn unterstreicht: Additive Fertigungsverfahren kommen in der Praxis an. Lange Zeit wurden diese Methoden überwiegend für detailgetreue Prototypen eingesetzt. Jetzt bewährt sich der 3D-Druck auch im Rapid Manufacturing, also der schnellen Produktion von Teilen. „Es gibt ein enormes Interesse an dieser neuen Art zu fertigen“, sagt Stephan Kühr, Geschäftsführer der 3D-Druck-Plattform 3yourmind.

Mittelfristig könnten sich dadurch ganze Wertschöpfungsketten verändern – wenn etwa Ersatzteile nicht mehr vorproduziert werden, sondern bei Bedarf buchstäblich per Knopfdruck vor Ort entstehen. Read more

Losgröße 1: Komplexes in kleiner Auflage

Die Welt der unbegrenzten Möglichkeiten – Verbraucher kennen das schon: Mit einem Konfigurator dürfen sie ihre Turnschuhe individuell gestalten, nur ein kleiner Aufpreis wird fällig. Auch Müslifreunde haben die freie Wahl und mixen ihr Produkt nach Gusto – in 566 Billiarden Varianten.

Der Trend erreicht nun auch die Industrie: Ein B2B-Kunde klickt sich sein Wunschprodukt zusammen, und der Lieferant serviert es. „Es geht darum, den Kunden noch individueller und effizienter bedienen zu können“, sagt Frank Piller, Professor für Technologie und Innovationsmanagement an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) in Aachen. Das Fernziel hört auf das Schlagwort „Losgröße 1“: die automatisierte Fertigung von Einzelstücken.

Der Automatisierungsspezialist Phoenix Contact geht in diese Richtung: Seine Kunden können im Onlinekonfigurator zwischen 98 verschiedenen Trennverstärkern wählen – und dann je nach Anforderung noch die Ein- und Ausgangssignale definieren. Insgesamt ergeben sich so mehr als 1 000 Kombinationen für das sechs Millimeter schmale Bauteil, das in Schaltkästen zum Einsatz kommt.

Eine neue Qualität für Einkäufer von technischen Komponenten: Bisher blieb ihnen meist die Wahl zwischen zwei Extremen – entweder kostengünstige Massenware oder teure Einzelanfertigung. Ermutigt durch Pilotversuche, befassen sich immer mehr Industriefirmen mit dem Konzept Losgröße 1. Read more

Antonio Krüger: „Die Industrie hat Nachholbedarf“

Geht es um komplexe Analyseverfahren, stößt man immer wieder auf Beispiele aus dem Handel – von Amazon bis Otto. Professor Antonio Krüger leitet das Innovative Retail Laboratory am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI). Die Methoden seien für Handel und Industrie gleichermaßen geeignet, Krüger sieht aber entscheidende Hemmnisse.

Herr Krüger, überall wird über das Potenzial von Datenanalysen gesprochen. Wieso ist der Handel da anscheinend in vielen Punkten weiter?

Antonio Krüger: Onlinehändler sind mit fortgeschrittenen Analyseverfahren groß geworden und treiben das Thema voran. In einem Geschäft mit knappen Margen hat das auf traditionelle Handelsunternehmen ausgestrahlt. Das produzierende Gewerbe hat sicher etwas Nachholbedarf.

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Künstliche Intelligenz: Neue Antworten durch Algorithmen

Alle Daten im System – und immer nur die wichtigen im Blick: Die Beratung Deloitte bastelt gerade an solchen Projekten für die Autoindustrie. Im „Quality Dashboard“ soll das Management stets genau sehen können, welche Prozesse im weitverzweigten Produktionsnetzwerk funktionieren – und an welchen Standorten, bei welchen Baugruppen oder Modellen es gerade hakt oder auch bald haken könnte.

In einer Vorführversion ergeben die Unmengen von Daten am Ende klare grafische Signale für das Management. Unter der Oberfläche sind aufwendige Analyseverfahren nötig. „Es wird bald gelingen, die Daten aus der Produktion mit Qualitätskennziffern zu versehen“, sagt Frank Siemes, Partner Strategy & Operations bei Deloitte. „Für die Hersteller wäre das ein großer Gewinn.“ Ein erstes Projekt mit einem Autokonzern läuft derzeit – die Lösung soll im Laufe des Jahres einsatzbereit sein.

Gesprochen wird oft über die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten, die sich durch die immer bessere Auswertung von Daten in vernetzten Unternehmen ergeben.  Beim Einsatz aber zögern viele Firmen: Nach einer Erhebung des Beratungs- und Marktforschungsunternehmens BARC nutzen im Moment nur fünf Prozent der Firmen fortgeschrittene Analysetechniken. 94 Prozent der befragten Unternehmen sind hingegen überzeugt, dass dies in Zukunft erfolgskritisch sein wird. „Der Mensch trifft nicht immer die besten Entscheidungen“, sagt Michael Feindt, Gründer des Softwarespezialisten Blue Yonder. „Datengetriebene Algorithmen kommen in vielen Fällen zu deutlich besseren Ergebnissen.“ Read more

Plattform-Ökonomie: Die Macht der Wolke

Vom Bauernhof bis zum Maschinenbau, von der Hauselektronik bis zum Auto: In kaum einer Branche wird dieser Tage nicht über die digitale Vernetzung diskutiert. Unternehmen versprechen sich neue Geschäftsmodelle – ermöglicht durch die Analyse von Daten. Wo heute eine Heizung verkauft wird, könnte es in Zukunft die Garantie auf ein warmes Haus sein. Wann Wartungen nötig sind und wie die Anlagen geregelt werden, bestimmen Algorithmen.

Von einer ganzen „Smart Service Welt“ spricht schon ein gleichnamiger Arbeitskreis, dem 140 Unternehmen, Verbände und Forschungseinrichtungen angehören. Kennzeichnend für solche intelligente Dienstleistungen, so heißt es in einem Projektbericht der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (Acatech), seien nutzerzentrierte Dienste, die an vernetzte Gegenstände und Maschinen anknüpfen.

Für die technische Infrastruktur prädestiniert ist die Cloud: Rechenleistung und Speicherplatz können flexibel genutzt werden – das ermöglicht den Anbietern ein Herantasten an die neuen Dienstleistungen. Read more

IT-Sicherheit: Schutz über alle Schnittstellen

Dieser Text ist im neuen Fachnewsletter vierpunktnull: Geschäftspraxis erschienen – hier können Sie eine kostenlose Probeausgabe bestellen.

Je mehr Möglichkeiten, desto mehr Risiken: Jedes neu angeschlossene Gerät, jede neu vernetzte Maschine in einer Produktion kann mehr Daten für den Unternehmenserfolg bringen. Gleichzeitig öffnet sich mit jeder neuen IP-Adresse im Firmennetzwerk ein neuer potenzieller Zugang für Angriffe von außen. „Die Vielfalt der Gefahren entspricht der Vielzahl von Geräten“, hielten die Experten von Symnatech, einem Anbieter von Sicherheits-Software, in einem Report fest. Den Schutz von Schnitt-stellen im Außen- und Innenverhältnis bezeichnen die Verbände Bitkom, VDMA und ZVEI unisono als eine der zentralen Herausforderungen für weitere Fortschritte im Projekt Industrie 4.0. Read more