Digitaler Zwilling: Spurensuche im virtuellen Raum

Der Verschleiß gab einem amerikanischen Zugbetreiber Rätsel auf: Immer wieder zeigten einzelne Radreifen von Dieselloks ungewöhnlich früh Ermüdungserscheinungen. Um der Ursache auf die Spur zu kommen, tauchten die Ingenieure tief in die Datensammlung ein. Am Ende der Detektivarbeit stand ein detailliertes Ergebnis: Alle defekten Reifen waren in einem bestimmten Reparaturwerk über eine bestimmte Weiche gerollt – die sorgte viele Kilometer später für die Schäden.

Möglich war die Recherche nur, weil den Technikern zu jedem Radreifen ein umfangreicher Datensatz zur Verfügung stand – mit Informationen aus Konstruktion, Produktion und dem tatsächlichen Einsatz auf Amerikas Schienen.  „Mit traditionellen Datensätzen hätten die Betreiber das nie herausgefunden“, sagt Carlos Härtel, Forschungsdirektor des Industriekonzerns GE in Europa.

Die virtuelle Abbildung eines Produktionsteils – von dessen Bau bis zur Verschrottung – wird in der Industrie als „digitaler Zwilling“ bezeichnet. Und mit der zunehmenden Vernetzung von Maschinen und Geräten gewinnt der Begriff aktuell an Bedeutung. Read more

Recruting: Auswahl per Algorithmus

Für Bewerber gehört Aufregung im Bewerbungsverfahren dazu. Dass auch ein Unternehmen höchst gespannt auf die Ergebnisse des Auswahlprozesses blickt, ist eher ungewöhnlich. So aber ging es einigen Personalverantwortlichen der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte, als im vergangenen Jahr Auszubildende gesucht wurden. Denn erstmals durchliefen alle jungen Bewerber online einen Auswahltest, der automatisch ausgewertet wurde. Eingeladen wurden dann die vielversprechendsten Kandidaten für die 100 Ausbildungsplätze. ‚Das hat dazu geführt, dass wir mit dem gleichen Einsatz von Ressourcen deutlich bessere Ergebnisse erzielen‘, sagt Jens Plinke, der bei Deloitte für das Personalmarketing verantwortlich ist.

Nach dem erfolgreichen Test denkt die Beratung jetzt intensiv darüber nach, auch für andere Stellen auf eine Datenanalyse als Teil des Bewerbungsprozesses zu setzen. Grund dafür ist die schiere Masse: Jedes Jahr landen 60.000 Bewerbungen bei der deutschen Niederlassung der Beratungsgesellschaft, quer durch alle Altersklassen und für die verschiedensten Jobprofile. Mit automatisierten Verfahren wollen die Personaler nicht nur Zeit gewinnen, sie wollen auch weg von der Vorauswahl nach Bauchgefühl: ‚Wir wollen einen möglichst rational strukturierten Prozess erreichen‘, sagt Plinke.

Der Algorithmus als Auswahlhelfer, das bedeutet: Big Data erreicht die Personalabteilungen deutscher Unternehmen. ‚Wir stehen an einem Wendepunkt im Recruiting‘, bemerkt Marc Irmisch-Petit, Geschäftsführer für Deutschland bei der Karrierewebsite Monster. Read more

Personalarbeit aus der Cloud: Durchblick für den Chef

Wie viele Überstunden machen die Beschäftigten? Und was kostet es das Unternehmen? Lange Zeit hatten die Personalverantwortlichen des Schweizer Feder- und Stanzteilherstellers Baumann Group nur unregelmäßig einen Überblick über die zusätzliche Arbeitszeit der Belegschaft und die damit verbundenen finanziellen Verpflichtungen. Zwar wurden alle Überstunden in einem Excel-Dokument vermerkt. Doch die Bearbeitung und Berechnung erwies sich als sehr aufwendig – nur alle zwei Monate wurde die Datei auf den neuesten Stand gebracht.

Heute gibt es die Übersicht automatisch und in Echtzeit. „Der zuständige Manager kann die Daten seines Teams mit nur einem Knopfdruck sehen“, sagt Peter Rosemann, zuständig für HR-Systeme bei dem familiengeführten Mittelständler.  Möglich macht das ein cloudbasiertes Programm für den Personalbereich, das das Unternehmen derzeit für seine 1 500 Mitarbeiter in elf Ländern einführt. Wie viel Geld gibt die Baumann Group für Überstunden aus? Wo fallen sie am häufigsten an? All diese Fragen werden unmittelbar beantwortet. Die zuständige Führungskraft vor Ort kann sofort reagieren. Read more

Drohnen: Flinke Helfer im Anflug

Bei einem seiner Aufträge musste Lars Kustner früher genau auf das Wetter achten: Nur wenn es gefroren hatte, konnte der Vermessungsingenieur ein sumpfiges Deponiegelände in Franken betreten, um dort Veränderungen festzustellen. Mittlerweile macht es sich Kustner leicht: Er lässt kurz seinen Quadrocopter samt hochauflösender Kamera über der Fläche aufschweben. So sammelt er in weniger als zwei Stunden die nötigen Bilder – früher ging dafür mindestens ein halber Arbeitstag drauf.

Ein kleines Beispiel für eine große Entwicklung: Das Marktforschungsinstitut Abi Research schätzt den weltweiten Markt für unbemannte Luftfahrzeuge, häufig als Drohnen bekannt, auf mehr als acht Milliarden US-Dollar bis 2018. Den mit Abstand größten Umsatz machen die neuen Fluggeräte laut Abi im Unternehmenseinsatz. In Deutschland tasten sich Firmen erst vorsichtig in den Luftraum. Read more

German Industry 2015/2016: Challenge of getting connected

German Industry 2015/2016: Challenge of getting connected

Looking at the current numbers and statistics, many companies are still on a good run. Nevertheless, conflicts and difficulties arising in the global context have an increasing impact on the performance of the export-oriented industry – both corporations and the small and medium enterprises, well known as the backbone of the German economy. In addition to that, Germany itself will face some important changes in the near future, as the Volkswagen scandal brought the spotlight on some underlying problems in German industry.

Looking at the internal organisation of German Industry, one topic in 2015 stands out: After a few years of a cautious approach and some early-bird pilots, “Industrie 4.0” has made it to the main stage. This label is the German idea of dealing with an increasingly digitally connected production line, known both in and outside the factory as the “Internet of Things”. After three industrial revolutions, the next step might include features like a production line where every machine is connected to each other and highly individualised products from still highly efficient industrial production. Read more

Chief Digital Officer: Nichts für schwache Nerven

Von der Fertigung über die Logistik bis hin zum Vertrieb: Sekündlich entstehen bei Schaeffler Millionen neuer Datenhäppchen. Für die Verknüpfung und Auswertung all dieser Informationen suchte der Automobilzulieferer einen Vordenker – im Oktober wechselte der vorherige IBM-Manager Gerhard Baum zum Konzern aus Herzogenaurach. Als Chief Digital Officer (CDO) ist er nun zuständig für die gesamte digitale Agenda.

Immer öfter tauchen solche oder ähnliche Funktionen nicht nur bei IT-Unternehmen, sondern auch in Firmen anderer Branchen auf. Es ist ein leitender Posten mit hohen Anforderungen: „Sie brauchen ein technisches und ein kommerzielles Verständnis, ein unternehmerisches Gespür und die Talente eines Change-Managers“, sagt Wiebke Köhler von der Personalberatung Heidrick & Struggles. Read more