IT-Security: Detektive in der digitalen Welt

Wonderwoman wird schon attackiert, und auch Romeo muss sich vorsehen. Die beiden Codenamen stehen für zwei globale Unternehmen. Gelbe und rote Zahlen, die auf einem wuchtigen Monitor blinken, zeigen Cyberangriffe, die in diesem Moment auf sie einprasseln. Überwacht wird das Gefecht von einem internationalen Team aus Sicherheitsfachleuten, die der IT-Ausrüster Cisco in einem Kontrollzentrum im polnischen Krakau zusammengezogen hat. Seit April kontrollieren sie von hier aus den Datenverkehr von Kunden auf Schadsoftware oder Phishing-Versuche.

Hinter den hochgesicherten Türen arbeiten begehrte Spezialisten: Im ohnehin von Engpässen geprägten Markt für IT-Fachkräfte sind Security-Experten besonders rar. „Es gibt einen dramatischen Anstieg bei der Suche“, sagt Helmuth Merkel, Geschäftsführender Gesellschafter der Personalberatung 3C in München, die auf den IT-Sektor spezialisiert ist. Wer sich beruflich neu orientieren will, stößt vor in eine Welt der unbegrenzten Möglichkeiten. „Es ist heute bereits ein absoluter Bewerbermarkt“, so Merkel.

Über eine Million unbesetzte Stellen im IT-Sicherheitsbereich hat Cisco Anfang 2016 weltweit gezählt. Die Lücke dürfte sich weiter vergrößern. Abseits der klassischen IT-Firmen steigt die Nachfrage etwa im Handel oder Maschinenbau, wo Online-Shops oder Produktionsanlagen gegen Angriffe geschützt werden müssen.  Auch der verstärkte Einsatz von firmeneigenen Cloudlösungen lässt neue Stellen für IT-Sicherheitspersonal entstehen. Klassische IT-Fachleute spüren derweil Druck, ihr Know-how zu erweitern: „Mittlerweile tauchen in fast jeder Aufgabe sicherheitsrelevante Themen auf“, sagt Merkel.

In der Praxis können sich die Jobprofile stark unterscheiden. Verlangt wird von Sicherheitsprofis aber übergreifend Beweglichkeit. „Das Erkennen zielgerichteter Attacken sowie Vorhersage und Reaktion auf Cyberangriffe erfordern viel Flexibilität“, sagt Holger Suhl, Geschäftsführer des IT-Sicherheitsanbieters Kaspersky Lab im deutschsprachigen Raum. IT-Forensiker etwa setzen sich wie Detektive auf die Spur von Angreifern. Die Deutsche Telekom beschäftigt sie im Cyber Defense Center in Bonn. Auch Programmierer sind gefragt: Sie entwickeln die Schutzsoftware oder passen diese beim Anwender an die Firmen-IT an. Wachsende Nachfrage herrscht zugleich bei Beratern, die für Unternehmen Sicherheitsstrategien entwerfen.

Das Blickfeld weitet sich: „Die Chancen, neue Themen kennen zu lernen, sind relativ hoch“, sagt Merkel. Wer auf Firewalls spezialisiert ist, könnte demnächst vernetzte Haushaltsgeräte absichern. Immer weniger reicht allein das technische Know-how, um im Alltag zu reüssieren: Die jüngste Global-Information-Security-Workforce-Studie, eine Umfrage unter Sicherheitsexperten, nennt ein breites Verständnis für Sicherheitsfragen sowie gute Kommunikationsfähigkeiten als wichtigste Qualifikationen.

Kandidaten gestalten ihren Job Viele erfahrene Fachkräfte haben sich noch in Eigenregie weitergebildet. Langsam aber steuern die Hochschulen um: Einige von ihnen bieten schon Studiengänge mit Fokus IT-Sicherheit. Auch Unternehmen werden aktiv. Die Telekom hat vor zwei Jahren eine berufsbegleitende Weiterbildung zum „Cyber Security Professional“ entwickelt und arbeitet aktuell an „Zukunftsprofilen“, etwa zum Internet der Dinge. Die Allianz für Cybersicherheit, zu deren Mitgliedern viele Dax-Unternehmen zählen, organisiert solche Seminare.

Weil sie so gefragt sind, können Sicherheitsexperten viel Einfluss nehmen auf ihre Jobgestaltung. Lieber international zwischen verschiedenen Standorten und Projekten pendeln oder doch besser ein fester Arbeitsplatz im Büro? „Die Knappheit ist so stark, dass Unternehmen auf solche Wünsche flexibler reagieren“, sagt Merkel. Bei der Erreichbarkeit dagegen gibt es kaum Kompromisse: Das Handy muss nachts und am Wochenende meist eingeschaltet bleiben – falls das IT-System wackelt. Die Chancen auf einen schnellen Aufstieg sind groß, weil das Personal knapp ist. Bereits nach wenigen Jahren ist eine Führungsposition möglich – die häufig mit einem sechsstelligen Jahresgehalt vergütet wird.

Die Unternehmen wissen, dass sie mehr bieten müssen als ein gutes Einkommen.  „Wir haben die besten Daten“, sagt Adam Philpott, Direktor für Cybersecurity bei Cisco. Weltweite Angriffswellen würden sehr früh erkannt und bekämpft. „Das ist für die besten Leute attraktiv.“ Wer nur auf das Geld schielt, könnte in Versuchung geraten: Bei ihrer Recherche stoßen Sicherheitsexperten im anonymen Darknet immer wieder auf Stellenanzeigen der Angreifer. Auch die werben um Experten für Schwachstellen in der digitalen Welt – um sie dann kriminell zu nutzen.

Hybrid Cloud: Neue Risiken durch die neue IT-Welt

Es ist ein ständiger Spagat, den Burkhard Kehrbusch meistern muss. Der IT-Chef des Marktforschungsinstituts GfK sieht sich zwei Anforderungen gegenüber, die schwer miteinander vereinbar scheinen: Auf der einen Seite will das Unternehmen mit Stammsitz in Nürnberg zunehmend den gigantischen Datenberg analysieren, der sich über Jahrzehnte angesammelt hat. Angestellte an weltweit über 300 Standorten sollen den Kunden so neue Erkenntnisse liefern. Doch auf der anderen Seite „sind einige Geschäftsbereiche sehr sensibel, was diese Daten angeht“, sagt Kehrbusch.

Aus technischer wie betriebswirtschaftlicher Sicht bieten sich Cloud-Lösungen im Prinzip an: Sie sind leistungsfähig, flexibel erweiterbar und weltweit verfügbar. Spezialisierte IT-Dienstleister versprechen, die gerade benötigten Rechen- und Speicherkapazitäten sehr viel günstiger bereitzustellen, als die Firmen es aus eigener Kraft könnten. Doch die Vorbehalte sind bei vielen Geschäftsführern groß – sie scheuen sich, die Datenschätze ihrer Firma in fremde Hände zu geben.

Die GfK setzt nun auf einen Mittelweg, den auch andere Unternehmen verstärkt für sich entdecken: In einer sogenannten hybriden Cloud kombinieren sie interne und externe Server. Sensible Informationen können so im eigenen Rechenzentrum bleiben, gewohnte Programme weiter genutzt werden. „Es geht nicht um ein Entweder-oder, es geht um ein neues Und“, sagt Brian Gallagher, Leiter des weltweiten Cloud-Plattform-Teams beim frisch fusionierten IT-Riesen Dell EMC.

Neue Einfallstore Drei von vier deutschen Unternehmen wollen in Zukunft ihre IT-Umgebung zunehmend aus der Cloud betreiben, zeigt eine Studie von Crisp Research. Damit aus den beiden Welten ein effizientes System entsteht, sei jedoch ein „hohes Maß an Integrations-Know-how und Erfahrung nötig, das bislang nur in wenigen Unternehmen aufgebaut werden konnte“, schreiben die Autoren in ihrem Fazit.

Der Einstieg in die Hybrid Cloud erfolgt in der Regel mit Software, die Unternehmen hinzubuchen – populär sind etwa Programme für das Kundenbeziehungsmanagement. Auch E-Commerce- oder Kommunikationswerkzeuge liegen heute häufig in der Wolke. Über Schnittstellen werden dann Daten mit Anwendungen ausgetauscht, die sich noch auf den heimischen Servern befinden.

Das Risiko: Je mehr Schnittstellen es etwa zum Internet gibt, desto mehr potenzielle Einfallstore bestehen für Viren und schädliche Software. „Wenn Netze zusammengeworfen werden, können die Gefahren von dem einen auf das andere herüberwandern“, sagt Bernd Goger, Geschäftsführer des Dienstleisters Konica Minolta IT Solutions.

Entsprechend groß ist der Aufwand, der zur Absicherung betrieben werden muss.  Aktuell seien im Schnitt etwa zehn Prozent der Kosten in einem IT-Projekt für Security anzusetzen, sagt Sven Klindworth, beim Netzwerkspezialisten BT Leiter der IT-Beratung in Deutschland: „Für die Cloud wird sich dieser Anteil eher noch erhöhen.“

Das Sicherheitslevel der eigentlichen Cloud-Anwendungen ist nach Einschätzung von Bernd Goger indes oft höher als bei unternehmenseigenen Anwendungen: „Die Cloud-Anbieter haben unter sich einen enormen Wettbewerb, der Mittelständler kann da häufig nur gewinnen.“ Achten sollten Unternehmen aber auf Zertifikate, die die Einhaltung von Sicherheitsstandards belegen – und auf die genauen Vertragsbedingungen.

Ressourcen verschmelzen Zunehmend geht es bei der Hybrid Cloud aber nicht nur um einzelne Softwaredienste, sondern darum, interne und externe Rechen- und Speicherkapazitäten miteinander zu verschmelzen. Die Idee: Stoßen die lokalen Ressourcen an ihre Grenzen, wird Verstärkung aus der Cloud dazugebucht – besonders rechenintensive Vorgänge können so beschleunigt werden.

Die IT-Anbieter wittern ein Wachstumsfeld. In der vergangenen Woche erst haben Cloud-Primus Amazon Web Services und die auf Servervirtualisierung spezialisierte Dell-Tochter VMWare eine Partnerschaft verkündet, durch die sich solche gemischten Umgebungen einfacher realisieren lassen sollen. Die Anbieter versprechen, dass bestehende Anwendungen ohne aufwendige Anpassungen weiter genutzt werden können.

Wichtig bei Lösungen wie diesen aus Kundensicht: Der Wechsel zwischen internen Ressourcen und der Cloud muss automatisch stattfinden. „Der Administrator soll ja nicht nachts aus dem Bett geholt werden“, sagt BT-Manager Klindworth.  Umgekehrt solle sich die Cloud ausklinken, wenn die eigenen Rechner wieder ausreichen. „Die Server zu Hause habe ich schließlich schon bezahlt.“

Die Automatismen bringen aber neue Herausforderungen mit sich. Die Firmen müssen schon im Vorfeld festlegen, welche Daten die eigenen Server nicht verlassen dürfen – und welche sogar bevorzugt in die Cloud geschickt werden.  Auch ein passender technischer Schutz muss gewählt werden. „Ich muss das Thema Sicherheit von Anfang an mit durchplanen“, rät Klindworth.

Firewalls aus der und für die Cloud sind dabei Standard gegen Viren und bösartige Programme. Per Identifikationsmanagement lässt sich genau festlegen, wer Zugriff auf welche Daten hat. Zum Schutzpaket kann auch gehören, schon den Datenverkehr hin zum Unternehmen von Dienstleistern analysieren zu lassen. „Da sind komplexe Lösungsansätze gefragt, um das Unternehmen zu entlasten“, sagt Goger.

Erschienen im Handelsblatt am 19. Oktober 2016.

Unternehmens-IT: Wer steuert die Fabrik der Zukunft?

Ein neuer Bearbeitungsschritt, ein neues Signal: In der Demonstrationsfabrik auf dem Campus der RWTH Aachen melden die Materialwagen jedes Mal per Funk, wenn ein Werkstück den nächsten Produktionsabschnitt erreicht hat. Im Hintergrund surren die Server – in Echtzeit werden Transport- und Wartezeiten gespeichert, andere Algorithmen werten parallel die Sensordaten einzelner Werkzeuge und Maschinen aus.

Den Forschern des im Januar an der Hochschule gegründeten Center Enterprise Resource Planning (Cerp) geht es nicht allein um die Fertigung. Durch die Einbindung von Software, die Unternehmen zur Planung und Steuerung des Betriebs einsetzen, soll auch die Automatisierung abseits der Produktionshallen vorangetrieben werden: So könnte die Software selbstständig Nachschub aus dem Materiallager ordern, Kunden über den Fertigungsstatus informieren und den Logistikern mitteilen, welches Sendungsvolumen auf sie zukommt.

„Heute gibt es schon einzelne Systeme, die sehr gut ihre Arbeit erledigen“, sagt Jan Meißner, Leiter des Cerp. Nun gehe es darum, die Grenzen einzelner Programme in der Unternehmens-IT zu überwinden: „Wenn man anfängt, die Systeme zu vernetzen, kann man einen erheblichen Mehrwert schaffen.“

Genau daran hapert es in der Praxis oft noch. Zwar können moderne Produktionsmaschinen immer mehr Daten übermitteln und verarbeiteten – doch ohne eine übergreifende Architektur laufen viele Bemühungen Richtung Industrie 4.0 ins Leere. „Ich will meine Produktion ja nicht nur rein technisch automatisieren, sondern betriebswirtschaftlich voranbringen“, sagt Dirk Bingler, Sprecher der Geschäftsführung der in Köln ansässigen Softwarefirma GUS Deutschland.

Dass Maschinen und Unternehmens-IT in Zukunft besser ineinandergreifen müssen, ist in der Branche Konsens. Unterschiedlich sind aber die Vorstellungen darüber, an welcher Stelle die neuen und bestehenden Daten idealerweise zusammenlaufen. In einer guten Ausgangslage sehen sich Anbieter von Software für das Enterprise Resource Planning (ERP) wie GUS: In ihren Programmen sind bereits die betriebswirtschaftlichen Daten von Unternehmen abgebildet.

Immer stärker positionieren sie sich nun auch als Wegbereiter für die Industrie 4.0. So wollen Anfang Oktober auf der Fachmesse „IT & Business“ in Stuttgart sechs ERP-Anbieter in Live-Vergleichen beweisen, dass ihre Produkte vielen neuen Szenarien schon gewachsen sind.

Grenzen überwinden Banal ist der Sprung in die Welt der vernetzten Produktion nicht. „Es ist mit Sicherheit eine komplett neue Herausforderung, was die Offenheit dieser Programme angeht“, sagt Mario Raatz, Vorstandsmitglied des Karlsruher Anbieters Abas. ERP-Systeme seien gemeinhin für eher starre Prozesse bekannt. Hinzu kommt: Aktuell gibt es zahlreiche hochspezialisierte Branchenanwendungen. „Jetzt geht es darum, mit anderen Systemen zu kommunizieren – auch über Unternehmensgrenzen hinweg“, sagt Raatz.

Unter Druck geraten die ERP-Anbieter durch neue Konkurrenten. So verkaufen einige Maschinenhersteller mit der Hardware zunehmend Analysefunktionen für ihre Steuerungssoftware. Von der anderen Seite drängen Anbieter von Software für das Kundenbeziehungsmanagement in dem Markt: Schon in der Vergangenheit haben sie Module für Geschäftsprozesse angeboten, nun entdecken sie auch die digitale Produktion für sich.

Als Schaltzentrale dienen sich darüber hinaus neue Programme an, die speziell für Industrie-4.0-Anwendungen konzipiert wurden. In Kooperation mit dem Softwareanbieter Pickert & Partner entwickelte etwa das Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik (IPK) in Berlin ein „Industry Cockpit“: Hier sollen alle Informationen aus der Produktion, Logistik und Buchhaltung zusammenlaufen und visualisiert werden. „Je automatisierter man arbeitet, desto schwieriger wird es für den Menschen, das zu überblicken“, sagt Nicole Oertwig, wissenschaftliche Mitarbeiterin am IPK. Aktuell bietet das Programm vor allem eine Überwachungsfunktion, in Zukunft soll man aber auch in die Steuerung eingreifen können. Der Softwarebranche steht nach Einschätzung Oertwigs ein Wandel bevor: „Die klassischen Systemgrenzen werden sich auflösen.“

Das Ziel der übergreifenden Vernetzung eint die Marktteilnehmer, gemeinsam stehen sie vor einer großen Hürde: Noch fehlt oft eine gemeinsame Sprache für den Austausch der Maschinen untereinander und mit den Softwaresystemen. Selbst innerhalb eines Kommunikationsprotokolls legen Anbieter Parameter unterschiedlich aus. Man stoße daher immer wieder auf verschiedene „Dialekte“, sagt GUS-Chef Bingler: „Die Übersetzungsleistung ist die große Herausforderung.“

Zumindest zeichnet sich aber so etwas wie ein gemeinsamer Standard ab: Das Open Protocol for Communication Unified Architecture (OPC UA) hat sich in den vergangenen Jahren weit verbreitet und wird mittlerweile von den meisten Herstellern unterstützt. Sogar Cloud-Anbieter, bei denen Unternehmen bedarfsweise Rechen- und Speicherkapazitäten mieten können, docken an. So unterstützt zum Beispiel Microsoft OPC UA in seiner Plattform für das Internet der Dinge. Seit der vergangenen Woche bietet das Unternehmen den Dienst auch aus einem deutschen Rechenzentrum heraus an – es ist eine Reaktion auf die großen Datenschutzbedenken hierzulande.

Experten gehen davon aus, dass sich langfristig vor allem „hybride Modelle“ durchsetzen: „Zentrale Daten und Anwendungen wird man im Haus belassen, andere werden von außen hinzukommen“, erwartet Abas-Vorstand Raatz. Prädestiniert ist die Cloud etwa für die Analyse großer Datenmengen, die für die vorausschauende Wartung nötig ist. In einem komplett vernetzten Zukunftsszenario könnte die Unternehmenssoftware auf Grundlage der Cloud-Berechnungen früh feststellen, wann eine Reparatur nötig wird, den zuständigen Techniker informieren – und auch gleich dessen Einsatz verbuchen.

Erschienen im Handelsblatt am 27. September 2016.

Personalarbeit aus der Cloud: Durchblick für den Chef

Wie viele Überstunden machen die Beschäftigten? Und was kostet es das Unternehmen? Lange Zeit hatten die Personalverantwortlichen des Schweizer Feder- und Stanzteilherstellers Baumann Group nur unregelmäßig einen Überblick über die zusätzliche Arbeitszeit der Belegschaft und die damit verbundenen finanziellen Verpflichtungen. Zwar wurden alle Überstunden in einem Excel-Dokument vermerkt. Doch die Bearbeitung und Berechnung erwies sich als sehr aufwendig – nur alle zwei Monate wurde die Datei auf den neuesten Stand gebracht.

Heute gibt es die Übersicht automatisch und in Echtzeit. „Der zuständige Manager kann die Daten seines Teams mit nur einem Knopfdruck sehen“, sagt Peter Rosemann, zuständig für HR-Systeme bei dem familiengeführten Mittelständler.  Möglich macht das ein cloudbasiertes Programm für den Personalbereich, das das Unternehmen derzeit für seine 1 500 Mitarbeiter in elf Ländern einführt. Wie viel Geld gibt die Baumann Group für Überstunden aus? Wo fallen sie am häufigsten an? All diese Fragen werden unmittelbar beantwortet. Die zuständige Führungskraft vor Ort kann sofort reagieren. Read more

Deutsche Cloud: Vertrauen in Grenzen

Das Versprechen klingt kurios: „Microsoft hat grundsätzlich keinen Zugriff auf die Daten, die in der Microsoft Cloud Deutschland gespeichert sind“, beteuert der amerikanische IT-Konzern auf seiner Website. Alles, was Microsoft-Kunden in Deutschland dort speichern, lande in Rechenzentren, die vollständig von der Deutschen Telekom betrieben und verwaltet werden. Eines steht in Magdeburg, eines in Frankfurt am Main. Extra-Distanz zum Kunden, normalerweise kein Pluspunkt, will das US-Unternehmen in diesem Fall als schlagendes Argument für die eigenen Cloud-Angebote nutzen.

Das hat gute Gründe. Denn geht es um die Auswahl der IT-Dienstleister, kollidieren gerade bei deutschen Mittelständlern zwei Wünsche: Read more

Fusion zweier IT-Konzerne: Noch mehr Dell am Markt

Fusion zweier IT-Konzerne: Noch mehr Dell am Markt

Vor 32 Jahren gründete Michael Dell sein Unternehmen. Zum Jahrestag der Gründung in der vergangenen Woche machte er sich selbst ein großes Geschenk: Das neue Unternehmen, das aus der Fusion von Dell und dem amerikanischen IT-Konzern EMC entstehen wird, soll seinen Namen tragen – und zukünftig Dell Technologies heißen. Das verkündete der 51-Jährige auf der Hausmesse von EMC, zu der mehr als 10 000 Kunden, Partner und Analysten in Las Vegas zusammenkamen. Michael Dell selbst wird das neue Unternehmen als Chairman leiten.

Die Übernahme von EMC lässt sich Dell insgesamt 67 Milliarden US-Dollar kosten. Aktuell beschäftigen die beiden Firmen etwa 170 000 Mitarbeitern weltweit. Wie viele Stellen nach dem Zusammenschluss abgebaut werden, sei noch nicht klar, hieß es von den Integrationschefs der beiden Konzerne. Die größten Synergiepotenziale habe man bei Einkauf und Logistik festgestellt, die Auswirkungen auf das Personal sollen gering bleiben. Read more

Plattform-Ökonomie: Die Macht der Wolke

Vom Bauernhof bis zum Maschinenbau, von der Hauselektronik bis zum Auto: In kaum einer Branche wird dieser Tage nicht über die digitale Vernetzung diskutiert. Unternehmen versprechen sich neue Geschäftsmodelle – ermöglicht durch die Analyse von Daten. Wo heute eine Heizung verkauft wird, könnte es in Zukunft die Garantie auf ein warmes Haus sein. Wann Wartungen nötig sind und wie die Anlagen geregelt werden, bestimmen Algorithmen.

Von einer ganzen „Smart Service Welt“ spricht schon ein gleichnamiger Arbeitskreis, dem 140 Unternehmen, Verbände und Forschungseinrichtungen angehören. Kennzeichnend für solche intelligente Dienstleistungen, so heißt es in einem Projektbericht der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (Acatech), seien nutzerzentrierte Dienste, die an vernetzte Gegenstände und Maschinen anknüpfen.

Für die technische Infrastruktur prädestiniert ist die Cloud: Rechenleistung und Speicherplatz können flexibel genutzt werden – das ermöglicht den Anbietern ein Herantasten an die neuen Dienstleistungen. Read more

IT-Sicherheit: Blitzschnell in den Abwehrmodus

Die Firewall, so war ein Kunde von Gianluca De Lorenzis überzeugt, ist sicher.  Doch der Chef der IT-Beratung FGND Group fand eine Lücke, die es Angreifern dennoch erlauben würde, ins Netzwerk einzudringen: Der Konzern nutzte für eine interne Anwendung noch eine veraltete Version des Internet Explorers. Die Tragweite einer solchen Schwachstelle sei vielen Unternehmen nicht bewusst, sagt De Lorenzis: „Wenn man einmal im Unternehmensnetz drin ist, hat man schnell Zugriff auf alles.“

Auf 51 Milliarden Euro beziffert der Digitalverband Bitkom den jährlichen Schaden, der deutschen Unternehmen durch digitale Wirtschaftsspionage, Sabotage und Datenklau entsteht. In einer kürzlich veröffentlichten Studie berichten über die Hälfte der 1 000 befragten Unternehmen, entsprechende Vorfälle in den vergangenen zwei Jahren festgestellt zu haben. Nach Einschätzung der Befragten handelt es sich bei den Tätern oft um aktuelle oder ehemalige Mitarbeiter. Doch auch Hobby-Hacker und professionelle Verbrecherbanden werden in vielen Fällen als Täter vermutet.

Angesichtes der zunehmenden Attacken stehen IT-Abteilungen vor der Herausforderung, Vorfälle möglichst früh zu erkennen – und schnell gegenzusteuern. Read more

IT-Sicherheit: Die Fabrik als Festung

Es gilt als der sicherste Ort der Welt: In Fort Knox lagern die Goldreserven der Vereinigten Staaten. Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) nimmt die US-Festung als Vorbild für den Schutz von Daten. „Virtual Fort Knox“ heißt die neu entwickelte Hochsicherheits-Plattform, über die Industriefirmen bald Cloudlösungen beziehen können. Aktuell gibt es dort acht verschiedene Anwendungen, unter anderem für die Planung und Kalkulation von Fertigungsprozessen.

Ob direkt an der Maschine, auf dem Weg in die Cloud oder in der Datenwolke selbst: Viele Unternehmen fürchten um die Sicherheit der übertragenen und gespeicherten Daten. Dies ist eines der Haupthemmnisse bei der digitalen Transformation der Industrie. Read more

Wie Maschinen sprechen lernen

Die richtige Temperatur für den Maschinenpark? Der Automatisierungsspezialist Weidmüller ermittelt sie in der Datenwolke. Schon heute senden Maschinenmodule an einem Standort ihre Betriebsdaten an eine zentrale Steuerungseinheit. Das schafft Klarheit über den Stromverbrauch, ist aber nur ein erster Schritt: Bald könnten auch aktuelle Energiepreise eingespeist werden. Die Maschinen würden dann zum kostengünstigsten Zeitpunkt laufen – wenn es der Produktionsplan erlaubt. „So können wir Prozesse optimieren und die Energieeffizienz steigern“, sagt Jan Stefan Michels, Leiter der Technologieentwicklung bei Weidmüller.

Die Vernetzung der Industrie, innerbetrieblich und darüber hinaus, schreitet voran. Die Digitalisierung erreicht den Maschinen- und Anlagenbau. Voraussetzung dafür ist ein reibungsloser Datenaustausch auf breiter Fläche. „Es geht darum, die Cloud vom Top Floor in den Shop Floor zu bringen“, sagt Horst Reichardt, Vorstandsvorsitzender der Beratungsgesellschaft Freudenberg IT. Die Datenwolke soll künftig nicht nur auf der Managementebene zum Einsatz kommen, sondern auch im Maschinenraum. Read more