Fusion zweier IT-Konzerne: Noch mehr Dell am Markt

Vor 32 Jahren gründete Michael Dell sein Unternehmen. Zum Jahrestag der Gründung in der vergangenen Woche machte er sich selbst ein großes Geschenk: Das neue Unternehmen, das aus der Fusion von Dell und dem amerikanischen IT-Konzern EMC entstehen wird, soll seinen Namen tragen – und zukünftig Dell Technologies heißen. Das verkündete der 51-Jährige auf der Hausmesse von EMC, zu der mehr als 10 000 Kunden, Partner und Analysten in Las Vegas zusammenkamen. Michael Dell selbst wird das neue Unternehmen als Chairman leiten.

Die Übernahme von EMC lässt sich Dell insgesamt 67 Milliarden US-Dollar kosten. Aktuell beschäftigen die beiden Firmen etwa 170 000 Mitarbeitern weltweit. Wie viele Stellen nach dem Zusammenschluss abgebaut werden, sei noch nicht klar, hieß es von den Integrationschefs der beiden Konzerne. Die größten Synergiepotenziale habe man bei Einkauf und Logistik festgestellt, die Auswirkungen auf das Personal sollen gering bleiben. 200 Mitarbeiter aus beiden Firmen arbeiten seit vergangenem Oktober daran, die Fusion vorzubereiten – finalisiert werden soll sie noch in diesem Sommer. Zu den aktuellen Hürden zählt noch eine ausstehende Genehmigung der chinesischen Behörden.

Michael Dells Auftritt in Las Vegas zeigte: Der mehrfache Milliardär geht die Fusion äußerst selbstbewusst an. Je mehr die Digitalisierung die Gesellschaft und die Wirtschaft durchziehe, desto wichtiger würden Soft- und Hardware-Angebote aus einer Hand, so die Botschaft von Dell: „Wir stehen da im Zentrum des menschlichen Fortschritts – und es gibt keinen Ort, an dem ich lieber bin.“

Vorwürfe, dass die enorme Größe ein Hindernis im immer schneller und agiler werdenden IT-Markt sei, konterte Dell: „Als eine privat kontrollierte Firma sind wir in der Lage, einige Dinge sehr anders zu handhaben.“ Ohne den ständigen Blick auf Quartalszahlen fühlt sich Michael Dell wohler, was die zukünftige Ausrichtung der Firma angeht. Schon in bei Dell selbst habe man das Innovationstempo deutlich erhöht, seitdem man Firma vor zweieinhalb Jahren – nach einem Rückkauf durch den Gründer selbst und einer Private-Equity-Gesellschaft – von der Börse genommen habe. „Jetzt nehmen wir EMC von der Börse und beschleunigen es dort genauso”, sagte Dell. Zu der neu entstehenden Firmengruppe gehören auch Marken und Unternehmen wie der Sicherheitsanbieter RSA oder Virtualisierungsspezialist VMware, die jeweils ihre Eigenständigkeit behalten sollen.

Gleichzeitig griff Michael Dell auf der Konferenz den Weg des großen Konkurrenten HP an. Der hatte im vergangenen Herbst einen umgekehrten Weg eingeschlagen: Das Unternehmen spaltete sich in zwei Einheiten auf, von denen sich eine um das zukunftsträchtige Geschäft mit Cloud-Computing, Servern und Speicherkapazitäten kümmert, während die andere Computer und Drucker verkauft. „Man kann sich nicht zum Erfolg schrumpfen”, sagte Michael Dell auf der Konferenz und untermauerte das mit jüngsten Zahlen des Marktforscher IDC, nach denen Dell im sinkenden PC-Geschäft in den USA beim Marktanteil HP überholt habe: „Es ist klar zu sehen, wer hier verliert und wer gewinnt“, kommentierte Dell.

Hinweis: Die Reisekosten zur EMC World wurden von EMC übernommen.

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