Drohnen: Flinke Helfer im Anflug

Bei einem seiner Aufträge musste Lars Kustner früher genau auf das Wetter achten: Nur wenn es gefroren hatte, konnte der Vermessungsingenieur ein sumpfiges Deponiegelände in Franken betreten, um dort Veränderungen festzustellen. Mittlerweile macht es sich Kustner leicht: Er lässt kurz seinen Quadrocopter samt hochauflösender Kamera über der Fläche aufschweben. So sammelt er in weniger als zwei Stunden die nötigen Bilder – früher ging dafür mindestens ein halber Arbeitstag drauf.

Ein kleines Beispiel für eine große Entwicklung: Das Marktforschungsinstitut Abi Research schätzt den weltweiten Markt für unbemannte Luftfahrzeuge, häufig als Drohnen bekannt, auf mehr als acht Milliarden US-Dollar bis 2018. Den mit Abstand größten Umsatz machen die neuen Fluggeräte laut Abi im Unternehmenseinsatz. In Deutschland tasten sich Firmen erst vorsichtig in den Luftraum.

Die technische Entwicklung habe viele Unternehmen überholt, sagt Frank Wernecke. Er hat mit der Initiative Dronemasters einen Treffpunkt für Entwickler, Anbieter und Anwender geschaffen. Aus einer anfänglichen Begeisterung ist eine Bewegung geworden, die in diesem Jahr auch mit einer Fachkonferenz auf der Cebit vertreten ist. In vielen Gesprächen werden hier die Möglichkeiten ausgelotet: „Wir haben die einsatzbereite Technologie – und jetzt wird erst begonnen, darüber nachzudenken, was sich damit machen lässt“, sagt Wernecke.

Die kleinen Fluggeräte bringen viele praktische Eigenschaften mit: Drohnen oder Copter, mit unterschiedlich vielen Propellern ausgestattet, gibt es für den Profieinsatz schon ab einigen Tausend Euro. Ausgerüstet werden sie mit unterschiedlichem Equipment: mit Transportbehältern, Kameras zu Analysezwecken oder sogar kleinen Werkzeugen. Ein Pilot am Boden steuert via Joystick oder Tablet. Mit GPS-Daten gefüttert kann die Drohne automatisch Strecken abfliegen.  Ein Knackpunkt bleibt oft noch die Batterieleistung, die lange Flüge verhindert. „Mit 20 Minuten wird geworben, bei mir sind neun Minuten das Maximum“, sagt Ingenieur Kustner etwa – und bringt immer mehrere Akkupacks mit.

Etwas ausgebremst werden Projekte vor allem aber durch eine unsichere Rechtslage. Viele Diskussionen über Versicherungsschutz oder die Risiken von abstürzenden oder manipulierten Drohnen beginnen erst jetzt und können noch einige Zeit andauern. Aktuell berät das Bundesverkehrsministerium über Pläne, den Drohnenbetrieb stärker zu regulieren. Im Gespräch ist eine Art Führerschein für Piloten, zum anderen betreffen die Beratungen aber auch Flüge außerhalb der Sichtweite des Piloten. Das würde den Radius und die Möglichkeiten für Anwendungen erweitern. Doch bis Gewissheit über die Gesetze herrscht, halten sich größere Unternehmen mit Investitionen zurück. Bisher dominieren Experimente.

Ideen gibt es genug. Nahe liegt es, die Drohnen für die Wartung oder Überwachung einzusetzen. In Großbritannien werden Fluggeräte des Dienstleisters Cyberhawk in den nächsten Jahren dabei helfen, über 30 000 Kilometer an Schienen- und Oberleitungen des Netzbetreibers Network Rail zu überwachen. Und im Golf von Mexiko ließ ein Unternehmen kürzlich seine Bohrinsel aus der Luft begutachten – der Job war in zwei Tagen erledigt anstatt wie sonst in über zwei Wochen. Auch beim Schutz von großen Werksgeländen könnten die Drohnen helfen.  In der Logistik könnte sich die Art der Paketzustellung verändern – Amazon testet das schon in den USA, die Deutsche Post ließ probeweise hierzulande Paketdrohnen aufsteigen.

Ein enormes Potenzial sehen Experten in der Landwirtschaft. Dort könnten Drohnen, ausgestattet mit Spektralkameras, genau messen, wie viel Düngemittel oder Pestizide an bestimmten Stellen nötig sind. Die vernetzten Landmaschinen würden dann die jeweilige Abgabe in den Boden exakt dosieren.

Bis zum Durchbruch sind es kleinere Dienstleister, die mit den Fluggeräten ihr Portfolio erweitern. Manche Idee kommt erst mit der Drohne. Bei Vermessungsingenieur Kustner hat ein Werbefotograf angeklopft, der gerne Luftaufnahmen anfertigen würde. Entschieden sei noch nichts, sagt Kustner.  „Aber man muss ja für alles offen sein.“

Erschienen am 14. März 2016 im Handelsblatt.

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