Digitale Lieferkette: Maximale Optimierung zu minimalen Kosten

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1500 Lieferanten, 26 Werke – ein „atmendes Netzwerk über den gesamten Globus“. So beschreibt Markus Schäfer, Bereichsvorstand Produktion und Einkauf Mercedes-Benz Cars, die Herausforderungen an die Supply Chain des Autobauers. Die Digitalisierung der Industrie kann hier eine entscheidende Rolle spielen, um eine neue Ordnung, einen neuen Überblick zu bekommen. Wer genau weiß, wo und in welchem Menschen, Maschinen und Komponenten in seinem Netzwerk unterwegs sind, der gewinnt an Geschwindigkeit und Effizienz. Insbesondere der Einkauf und die Produktion profitieren von der neuen Übersicht.

„Die Intelligenz der Digitalisierung“

Eine intelligente Vernetzung der bereits existierenden IT-Systeme, oft als ergänzende Supply-Chain-Management-Systeme (SCM) zu bestehenden ERP-Systemen, spielt dabei eine zentrale Rolle, um den Fortschritt zu erreichen. „Da sind heute Menschen nicht mehr alleine in der Lage, diese Logistikströme hocheffizient zu gestalten und zu optimieren, um sicherzustellen, dass die Waren zur richtigen Sekunde am richtigen Ort ankommen“, sagt Schäfer. „Da braucht es Industrie 4.0, die Intelligenz der Digitalisierung.“ In das in „TecFabrik“ umgetaufte Werk in Sindelfingen, in der die Oberklasselimousinen vom Band rollen, investiert Mercedes-Benz in den kommenden Jahren 1,5 Milliarden Euro, um diese Schritte mitzugehen.

Durchlaufzeiten um ein Drittel reduziert

Auch für kleine Unternehmen kann sich die Umstellung jedoch lohnen. Seit einigen Jahren arbeitet der Mittelständler GSR Ventiltechnik mit einem neuen Supply-Management-System von Infor. Bei der Auswahl ließ sich der Betrieb von der IT-Beratung Trovarit unterstützen. Vorher fuhr das Unternehmen mit etwa 130 Mitarbeitern in der Warenbeschaffung annähernd auf Sicht: Produziert und eingekauft wurde je nach Auftragseingang, Excel-Tabellen sorgten für den Überblick. Nach der Umstellung auf das Management-System, das bis tief in den Produktionsprozess vernetzt ist, gelang es, die Durchlaufzeiten von 30 auf 20 Tage zu reduzieren und und die Arbeit im Umlauf um 20 Prozent zu reduzieren. Die neue Transparenz sorgte dafür, dass eine damals anstehende Investition in eine neue Maschine nicht mehr nötig wurde. „Wir haben es geschafft, einen Flaschenhals aufzulösen, der tatsächlich gar keiner war“, fasst Michael Beer, Leiter Produktion und Technik von GSR Ventiltechnik die Erkenntnisse nach der Implementierung zusammen.

Barcodesystem geplant

Wichtig war es Beer vor allem, ein dauerhaft nutzbares System zu finden. Im vergangenen Jahr wurde mit einem Update auch eine Vorhersage ermöglicht. Abhängig von Auftragsbestand, Lebenszyklen von einzelnen Produkten und den Vergangenheitswerte der Bestellungen von wichtigen Kunden empfiehlt das Programm sowohl Einkaufsmengen als auch neue Verkaufsgelegenheiten bei Kunden. „Die Sicherheit, die wir dadurch gewonnen haben, hat uns deutlich weitergebracht, was die Verfügbarkeit im Lager angeht“, sagt Beer. Im nächsten Schritt soll jetzt ein Bardcodesystem in den Ablauf und in das Programm integriert werden, den Mitarbeiter innerhalb der Produktion mit Informationen aus einem Scanner füttern – damit steigt auch innerhalb des Betriebs selbst noch einmal der Kenntnisstand über Ort und Zustand einzelner Teile. Das Ziel: Die Durchlaufzeiten der Waren im Betrieb noch mal um drei bis vier Tage zu reduzieren.

Zahlreiche Unternehmen sind ständig auf der Suche, wie sie ihre Lieferkette digitalisieren können. Punkten können – und müssen aufgrund ihrer Komplexität – aktuell vor allem Großkonzerne. In einer aktuellen Rangliste der Unternehmen mit der besten Supply Chain in Europa landen vor allem Konsumgüterhersteller auf den ersten Plätzen: Unilever, Inditex und H&M. Die ersten Industrieunternehmen finden sich ab Platz acht: Auf BMW folgt Zulieferer Delphi Automotive und Elektronikkonzern Schneider Electrics.

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