Hybrid Cloud: Neue Risiken durch die neue IT-Welt

Es ist ein ständiger Spagat, den Burkhard Kehrbusch meistern muss. Der IT-Chef des Marktforschungsinstituts GfK sieht sich zwei Anforderungen gegenüber, die schwer miteinander vereinbar scheinen: Auf der einen Seite will das Unternehmen mit Stammsitz in Nürnberg zunehmend den gigantischen Datenberg analysieren, der sich über Jahrzehnte angesammelt hat. Angestellte an weltweit über 300 Standorten sollen den Kunden so neue Erkenntnisse liefern. Doch auf der anderen Seite „sind einige Geschäftsbereiche sehr sensibel, was diese Daten angeht“, sagt Kehrbusch.

Aus technischer wie betriebswirtschaftlicher Sicht bieten sich Cloud-Lösungen im Prinzip an: Sie sind leistungsfähig, flexibel erweiterbar und weltweit verfügbar. Spezialisierte IT-Dienstleister versprechen, die gerade benötigten Rechen- und Speicherkapazitäten sehr viel günstiger bereitzustellen, als die Firmen es aus eigener Kraft könnten. Doch die Vorbehalte sind bei vielen Geschäftsführern groß – sie scheuen sich, die Datenschätze ihrer Firma in fremde Hände zu geben.

Die GfK setzt nun auf einen Mittelweg, den auch andere Unternehmen verstärkt für sich entdecken: In einer sogenannten hybriden Cloud kombinieren sie interne und externe Server. Sensible Informationen können so im eigenen Rechenzentrum bleiben, gewohnte Programme weiter genutzt werden. „Es geht nicht um ein Entweder-oder, es geht um ein neues Und“, sagt Brian Gallagher, Leiter des weltweiten Cloud-Plattform-Teams beim frisch fusionierten IT-Riesen Dell EMC.

Neue Einfallstore Drei von vier deutschen Unternehmen wollen in Zukunft ihre IT-Umgebung zunehmend aus der Cloud betreiben, zeigt eine Studie von Crisp Research. Damit aus den beiden Welten ein effizientes System entsteht, sei jedoch ein „hohes Maß an Integrations-Know-how und Erfahrung nötig, das bislang nur in wenigen Unternehmen aufgebaut werden konnte“, schreiben die Autoren in ihrem Fazit.

Der Einstieg in die Hybrid Cloud erfolgt in der Regel mit Software, die Unternehmen hinzubuchen – populär sind etwa Programme für das Kundenbeziehungsmanagement. Auch E-Commerce- oder Kommunikationswerkzeuge liegen heute häufig in der Wolke. Über Schnittstellen werden dann Daten mit Anwendungen ausgetauscht, die sich noch auf den heimischen Servern befinden.

Das Risiko: Je mehr Schnittstellen es etwa zum Internet gibt, desto mehr potenzielle Einfallstore bestehen für Viren und schädliche Software. „Wenn Netze zusammengeworfen werden, können die Gefahren von dem einen auf das andere herüberwandern“, sagt Bernd Goger, Geschäftsführer des Dienstleisters Konica Minolta IT Solutions.

Entsprechend groß ist der Aufwand, der zur Absicherung betrieben werden muss.  Aktuell seien im Schnitt etwa zehn Prozent der Kosten in einem IT-Projekt für Security anzusetzen, sagt Sven Klindworth, beim Netzwerkspezialisten BT Leiter der IT-Beratung in Deutschland: „Für die Cloud wird sich dieser Anteil eher noch erhöhen.“

Das Sicherheitslevel der eigentlichen Cloud-Anwendungen ist nach Einschätzung von Bernd Goger indes oft höher als bei unternehmenseigenen Anwendungen: „Die Cloud-Anbieter haben unter sich einen enormen Wettbewerb, der Mittelständler kann da häufig nur gewinnen.“ Achten sollten Unternehmen aber auf Zertifikate, die die Einhaltung von Sicherheitsstandards belegen – und auf die genauen Vertragsbedingungen.

Ressourcen verschmelzen Zunehmend geht es bei der Hybrid Cloud aber nicht nur um einzelne Softwaredienste, sondern darum, interne und externe Rechen- und Speicherkapazitäten miteinander zu verschmelzen. Die Idee: Stoßen die lokalen Ressourcen an ihre Grenzen, wird Verstärkung aus der Cloud dazugebucht – besonders rechenintensive Vorgänge können so beschleunigt werden.

Die IT-Anbieter wittern ein Wachstumsfeld. In der vergangenen Woche erst haben Cloud-Primus Amazon Web Services und die auf Servervirtualisierung spezialisierte Dell-Tochter VMWare eine Partnerschaft verkündet, durch die sich solche gemischten Umgebungen einfacher realisieren lassen sollen. Die Anbieter versprechen, dass bestehende Anwendungen ohne aufwendige Anpassungen weiter genutzt werden können.

Wichtig bei Lösungen wie diesen aus Kundensicht: Der Wechsel zwischen internen Ressourcen und der Cloud muss automatisch stattfinden. „Der Administrator soll ja nicht nachts aus dem Bett geholt werden“, sagt BT-Manager Klindworth.  Umgekehrt solle sich die Cloud ausklinken, wenn die eigenen Rechner wieder ausreichen. „Die Server zu Hause habe ich schließlich schon bezahlt.“

Die Automatismen bringen aber neue Herausforderungen mit sich. Die Firmen müssen schon im Vorfeld festlegen, welche Daten die eigenen Server nicht verlassen dürfen – und welche sogar bevorzugt in die Cloud geschickt werden.  Auch ein passender technischer Schutz muss gewählt werden. „Ich muss das Thema Sicherheit von Anfang an mit durchplanen“, rät Klindworth.

Firewalls aus der und für die Cloud sind dabei Standard gegen Viren und bösartige Programme. Per Identifikationsmanagement lässt sich genau festlegen, wer Zugriff auf welche Daten hat. Zum Schutzpaket kann auch gehören, schon den Datenverkehr hin zum Unternehmen von Dienstleistern analysieren zu lassen. „Da sind komplexe Lösungsansätze gefragt, um das Unternehmen zu entlasten“, sagt Goger.

Erschienen im Handelsblatt am 19. Oktober 2016.

Unternehmens-IT: Wer steuert die Fabrik der Zukunft?

Ein neuer Bearbeitungsschritt, ein neues Signal: In der Demonstrationsfabrik auf dem Campus der RWTH Aachen melden die Materialwagen jedes Mal per Funk, wenn ein Werkstück den nächsten Produktionsabschnitt erreicht hat. Im Hintergrund surren die Server – in Echtzeit werden Transport- und Wartezeiten gespeichert, andere Algorithmen werten parallel die Sensordaten einzelner Werkzeuge und Maschinen aus.

Den Forschern des im Januar an der Hochschule gegründeten Center Enterprise Resource Planning (Cerp) geht es nicht allein um die Fertigung. Durch die Einbindung von Software, die Unternehmen zur Planung und Steuerung des Betriebs einsetzen, soll auch die Automatisierung abseits der Produktionshallen vorangetrieben werden: So könnte die Software selbstständig Nachschub aus dem Materiallager ordern, Kunden über den Fertigungsstatus informieren und den Logistikern mitteilen, welches Sendungsvolumen auf sie zukommt.

„Heute gibt es schon einzelne Systeme, die sehr gut ihre Arbeit erledigen“, sagt Jan Meißner, Leiter des Cerp. Nun gehe es darum, die Grenzen einzelner Programme in der Unternehmens-IT zu überwinden: „Wenn man anfängt, die Systeme zu vernetzen, kann man einen erheblichen Mehrwert schaffen.“

Genau daran hapert es in der Praxis oft noch. Zwar können moderne Produktionsmaschinen immer mehr Daten übermitteln und verarbeiteten – doch ohne eine übergreifende Architektur laufen viele Bemühungen Richtung Industrie 4.0 ins Leere. „Ich will meine Produktion ja nicht nur rein technisch automatisieren, sondern betriebswirtschaftlich voranbringen“, sagt Dirk Bingler, Sprecher der Geschäftsführung der in Köln ansässigen Softwarefirma GUS Deutschland.

Dass Maschinen und Unternehmens-IT in Zukunft besser ineinandergreifen müssen, ist in der Branche Konsens. Unterschiedlich sind aber die Vorstellungen darüber, an welcher Stelle die neuen und bestehenden Daten idealerweise zusammenlaufen. In einer guten Ausgangslage sehen sich Anbieter von Software für das Enterprise Resource Planning (ERP) wie GUS: In ihren Programmen sind bereits die betriebswirtschaftlichen Daten von Unternehmen abgebildet.

Immer stärker positionieren sie sich nun auch als Wegbereiter für die Industrie 4.0. So wollen Anfang Oktober auf der Fachmesse „IT & Business“ in Stuttgart sechs ERP-Anbieter in Live-Vergleichen beweisen, dass ihre Produkte vielen neuen Szenarien schon gewachsen sind.

Grenzen überwinden Banal ist der Sprung in die Welt der vernetzten Produktion nicht. „Es ist mit Sicherheit eine komplett neue Herausforderung, was die Offenheit dieser Programme angeht“, sagt Mario Raatz, Vorstandsmitglied des Karlsruher Anbieters Abas. ERP-Systeme seien gemeinhin für eher starre Prozesse bekannt. Hinzu kommt: Aktuell gibt es zahlreiche hochspezialisierte Branchenanwendungen. „Jetzt geht es darum, mit anderen Systemen zu kommunizieren – auch über Unternehmensgrenzen hinweg“, sagt Raatz.

Unter Druck geraten die ERP-Anbieter durch neue Konkurrenten. So verkaufen einige Maschinenhersteller mit der Hardware zunehmend Analysefunktionen für ihre Steuerungssoftware. Von der anderen Seite drängen Anbieter von Software für das Kundenbeziehungsmanagement in dem Markt: Schon in der Vergangenheit haben sie Module für Geschäftsprozesse angeboten, nun entdecken sie auch die digitale Produktion für sich.

Als Schaltzentrale dienen sich darüber hinaus neue Programme an, die speziell für Industrie-4.0-Anwendungen konzipiert wurden. In Kooperation mit dem Softwareanbieter Pickert & Partner entwickelte etwa das Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik (IPK) in Berlin ein „Industry Cockpit“: Hier sollen alle Informationen aus der Produktion, Logistik und Buchhaltung zusammenlaufen und visualisiert werden. „Je automatisierter man arbeitet, desto schwieriger wird es für den Menschen, das zu überblicken“, sagt Nicole Oertwig, wissenschaftliche Mitarbeiterin am IPK. Aktuell bietet das Programm vor allem eine Überwachungsfunktion, in Zukunft soll man aber auch in die Steuerung eingreifen können. Der Softwarebranche steht nach Einschätzung Oertwigs ein Wandel bevor: „Die klassischen Systemgrenzen werden sich auflösen.“

Das Ziel der übergreifenden Vernetzung eint die Marktteilnehmer, gemeinsam stehen sie vor einer großen Hürde: Noch fehlt oft eine gemeinsame Sprache für den Austausch der Maschinen untereinander und mit den Softwaresystemen. Selbst innerhalb eines Kommunikationsprotokolls legen Anbieter Parameter unterschiedlich aus. Man stoße daher immer wieder auf verschiedene „Dialekte“, sagt GUS-Chef Bingler: „Die Übersetzungsleistung ist die große Herausforderung.“

Zumindest zeichnet sich aber so etwas wie ein gemeinsamer Standard ab: Das Open Protocol for Communication Unified Architecture (OPC UA) hat sich in den vergangenen Jahren weit verbreitet und wird mittlerweile von den meisten Herstellern unterstützt. Sogar Cloud-Anbieter, bei denen Unternehmen bedarfsweise Rechen- und Speicherkapazitäten mieten können, docken an. So unterstützt zum Beispiel Microsoft OPC UA in seiner Plattform für das Internet der Dinge. Seit der vergangenen Woche bietet das Unternehmen den Dienst auch aus einem deutschen Rechenzentrum heraus an – es ist eine Reaktion auf die großen Datenschutzbedenken hierzulande.

Experten gehen davon aus, dass sich langfristig vor allem „hybride Modelle“ durchsetzen: „Zentrale Daten und Anwendungen wird man im Haus belassen, andere werden von außen hinzukommen“, erwartet Abas-Vorstand Raatz. Prädestiniert ist die Cloud etwa für die Analyse großer Datenmengen, die für die vorausschauende Wartung nötig ist. In einem komplett vernetzten Zukunftsszenario könnte die Unternehmenssoftware auf Grundlage der Cloud-Berechnungen früh feststellen, wann eine Reparatur nötig wird, den zuständigen Techniker informieren – und auch gleich dessen Einsatz verbuchen.

Erschienen im Handelsblatt am 27. September 2016.

Recruting: Auswahl per Algorithmus

Für Bewerber gehört Aufregung im Bewerbungsverfahren dazu. Dass auch ein Unternehmen höchst gespannt auf die Ergebnisse des Auswahlprozesses blickt, ist eher ungewöhnlich. So aber ging es einigen Personalverantwortlichen der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte, als im vergangenen Jahr Auszubildende gesucht wurden. Denn erstmals durchliefen alle jungen Bewerber online einen Auswahltest, der automatisch ausgewertet wurde. Eingeladen wurden dann die vielversprechendsten Kandidaten für die 100 Ausbildungsplätze. ‚Das hat dazu geführt, dass wir mit dem gleichen Einsatz von Ressourcen deutlich bessere Ergebnisse erzielen‘, sagt Jens Plinke, der bei Deloitte für das Personalmarketing verantwortlich ist.

Nach dem erfolgreichen Test denkt die Beratung jetzt intensiv darüber nach, auch für andere Stellen auf eine Datenanalyse als Teil des Bewerbungsprozesses zu setzen. Grund dafür ist die schiere Masse: Jedes Jahr landen 60.000 Bewerbungen bei der deutschen Niederlassung der Beratungsgesellschaft, quer durch alle Altersklassen und für die verschiedensten Jobprofile. Mit automatisierten Verfahren wollen die Personaler nicht nur Zeit gewinnen, sie wollen auch weg von der Vorauswahl nach Bauchgefühl: ‚Wir wollen einen möglichst rational strukturierten Prozess erreichen‘, sagt Plinke.

Der Algorithmus als Auswahlhelfer, das bedeutet: Big Data erreicht die Personalabteilungen deutscher Unternehmen. ‚Wir stehen an einem Wendepunkt im Recruiting‘, bemerkt Marc Irmisch-Petit, Geschäftsführer für Deutschland bei der Karrierewebsite Monster. Read more

Personalarbeit aus der Cloud: Durchblick für den Chef

Wie viele Überstunden machen die Beschäftigten? Und was kostet es das Unternehmen? Lange Zeit hatten die Personalverantwortlichen des Schweizer Feder- und Stanzteilherstellers Baumann Group nur unregelmäßig einen Überblick über die zusätzliche Arbeitszeit der Belegschaft und die damit verbundenen finanziellen Verpflichtungen. Zwar wurden alle Überstunden in einem Excel-Dokument vermerkt. Doch die Bearbeitung und Berechnung erwies sich als sehr aufwendig – nur alle zwei Monate wurde die Datei auf den neuesten Stand gebracht.

Heute gibt es die Übersicht automatisch und in Echtzeit. „Der zuständige Manager kann die Daten seines Teams mit nur einem Knopfdruck sehen“, sagt Peter Rosemann, zuständig für HR-Systeme bei dem familiengeführten Mittelständler.  Möglich macht das ein cloudbasiertes Programm für den Personalbereich, das das Unternehmen derzeit für seine 1 500 Mitarbeiter in elf Ländern einführt. Wie viel Geld gibt die Baumann Group für Überstunden aus? Wo fallen sie am häufigsten an? All diese Fragen werden unmittelbar beantwortet. Die zuständige Führungskraft vor Ort kann sofort reagieren. Read more

Deutsche Cloud: Vertrauen in Grenzen

Das Versprechen klingt kurios: „Microsoft hat grundsätzlich keinen Zugriff auf die Daten, die in der Microsoft Cloud Deutschland gespeichert sind“, beteuert der amerikanische IT-Konzern auf seiner Website. Alles, was Microsoft-Kunden in Deutschland dort speichern, lande in Rechenzentren, die vollständig von der Deutschen Telekom betrieben und verwaltet werden. Eines steht in Magdeburg, eines in Frankfurt am Main. Extra-Distanz zum Kunden, normalerweise kein Pluspunkt, will das US-Unternehmen in diesem Fall als schlagendes Argument für die eigenen Cloud-Angebote nutzen.

Das hat gute Gründe. Denn geht es um die Auswahl der IT-Dienstleister, kollidieren gerade bei deutschen Mittelständlern zwei Wünsche: Read more

IT-Fachanwalt: „Die Behörden greifen durch“

Das Safe-Harbor-Abkommen ist gekippt, die Nachfolgeregel Privacy Shield ist noch nicht in Kraft. EU-Unternehmen sind verunsichert, was die Datenspeicherung in den USA angeht. Laurent Meister ist IT-Fachanwalt in der Kanzlei Menold Bezler in Stuttgart. Im Handelsblatt-Interview spricht er über die dringendsten Baustellen für Unternehmen.

Seit Mai soll die EU-Datenschutzgrundverordnung erstmals eine übergreifende Regelung bieten. Zugleich fehlt eine Basis für den Transfer in die USA. Wie viel Arbeit kommt auf Unternehmen zu?

Im Grunde ist das Zusammentreffen der beiden Themen eine glückliche Fügung. So haben Unternehmen die Möglichkeit, grundsätzliche Datenschutzthemen und den Austausch von Daten in die USA gleichzeitig zu überprüfen. Klar ist: Uns stehen zwei bis drei spannende Jahre bevor. Read more

3D-Druck: Fertigung in Eigenregie

Hier ein Mantelhaken im Intercity, dort ein Klemmenkasten unter dem Motorblock einer Lokomotive: Stück für Stück fahren in den Zügen der Deutschen Bahn Teile mit, die als Einzelanfertigung im sogenannten 3D-Druck entstanden sind. Seit vergangenem November beschäftigt sich der Konzern mit dem Verfahren – und hat es schon bei 200 verschiedenen Werkstücken genutzt. „Unser Ziel ist es aktuell vor allem, Ersatzteile zu drucken, an die wir sonst kaum rankommen“, sagt Stefanie Brickwede, die das Netzwerk 3D-Druck innerhalb des Konzerns koordiniert.

Das Engagement der Bahn unterstreicht: Additive Fertigungsverfahren kommen in der Praxis an. Lange Zeit wurden diese Methoden überwiegend für detailgetreue Prototypen eingesetzt. Jetzt bewährt sich der 3D-Druck auch im Rapid Manufacturing, also der schnellen Produktion von Teilen. „Es gibt ein enormes Interesse an dieser neuen Art zu fertigen“, sagt Stephan Kühr, Geschäftsführer der 3D-Druck-Plattform 3yourmind.

Mittelfristig könnten sich dadurch ganze Wertschöpfungsketten verändern – wenn etwa Ersatzteile nicht mehr vorproduziert werden, sondern bei Bedarf buchstäblich per Knopfdruck vor Ort entstehen. Read more

Losgröße 1: Komplexes in kleiner Auflage

Die Welt der unbegrenzten Möglichkeiten – Verbraucher kennen das schon: Mit einem Konfigurator dürfen sie ihre Turnschuhe individuell gestalten, nur ein kleiner Aufpreis wird fällig. Auch Müslifreunde haben die freie Wahl und mixen ihr Produkt nach Gusto – in 566 Billiarden Varianten.

Der Trend erreicht nun auch die Industrie: Ein B2B-Kunde klickt sich sein Wunschprodukt zusammen, und der Lieferant serviert es. „Es geht darum, den Kunden noch individueller und effizienter bedienen zu können“, sagt Frank Piller, Professor für Technologie und Innovationsmanagement an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) in Aachen. Das Fernziel hört auf das Schlagwort „Losgröße 1“: die automatisierte Fertigung von Einzelstücken.

Der Automatisierungsspezialist Phoenix Contact geht in diese Richtung: Seine Kunden können im Onlinekonfigurator zwischen 98 verschiedenen Trennverstärkern wählen – und dann je nach Anforderung noch die Ein- und Ausgangssignale definieren. Insgesamt ergeben sich so mehr als 1 000 Kombinationen für das sechs Millimeter schmale Bauteil, das in Schaltkästen zum Einsatz kommt.

Eine neue Qualität für Einkäufer von technischen Komponenten: Bisher blieb ihnen meist die Wahl zwischen zwei Extremen – entweder kostengünstige Massenware oder teure Einzelanfertigung. Ermutigt durch Pilotversuche, befassen sich immer mehr Industriefirmen mit dem Konzept Losgröße 1. Read more

Consulting im Wandel: Praxis statt Powerpoint

Hier auf dem Aachener RWTH-Campus surren die Maschinen und Funken fliegen, wenn die Roboter millimetergenau ihre Schweißpunkte ansteuern. Dazwischen laufen Anzugträger mit klobigen Virtual-Reality-Brillen vor den Augen und blicken in eine Fabrik der Zukunft, die schon bald ihre eigene sein könnte.

Was in dieser Halle hergestellt wird? Im Grunde nichts. Das in der vergangenen Woche eingeweihte „Innovation Center for Operations“ (ICO) ist eine reine Demofabrik. Das Produkt ist gleichwohl wertvoll: Erkenntnisgewinn. Der Hersteller: die Boston Consulting Group (BCG). In Kooperation mit Forschungseinrichtungen bieten die Berater ihren Klienten in deutschlandweit drei Modellfabriken an, in die neue, digitalisierte Fertigung einzutauchen.

Das ICO ist ein großer Experimentierkasten zum Hereinspazieren. „Um als Berater die passenden Strategien für Industrie 4.0 zu entwickeln, reichen theoretische Gedankenspiele und Präsentationen allein nicht mehr aus“, sagt Daniel Küpper, Partner bei BCG und Leiter des ICO. In Workshops analysieren die Berater mit den Unternehmen die Chancen neuer Technologien und testen Werkzeuge für die jeweiligen Prozesse.

Probieren, staunen, lernen – wer heute Consultingdienste bucht, kann gewiss sein: Das Kundenerlebnis wird ein besseres sein als noch vor fünf Jahren. Read more

Fusion zweier IT-Konzerne: Noch mehr Dell am Markt

Fusion zweier IT-Konzerne: Noch mehr Dell am Markt

Vor 32 Jahren gründete Michael Dell sein Unternehmen. Zum Jahrestag der Gründung in der vergangenen Woche machte er sich selbst ein großes Geschenk: Das neue Unternehmen, das aus der Fusion von Dell und dem amerikanischen IT-Konzern EMC entstehen wird, soll seinen Namen tragen – und zukünftig Dell Technologies heißen. Das verkündete der 51-Jährige auf der Hausmesse von EMC, zu der mehr als 10 000 Kunden, Partner und Analysten in Las Vegas zusammenkamen. Michael Dell selbst wird das neue Unternehmen als Chairman leiten.

Die Übernahme von EMC lässt sich Dell insgesamt 67 Milliarden US-Dollar kosten. Aktuell beschäftigen die beiden Firmen etwa 170 000 Mitarbeitern weltweit. Wie viele Stellen nach dem Zusammenschluss abgebaut werden, sei noch nicht klar, hieß es von den Integrationschefs der beiden Konzerne. Die größten Synergiepotenziale habe man bei Einkauf und Logistik festgestellt, die Auswirkungen auf das Personal sollen gering bleiben. Read more